„Blaow war die Wohnung, für euch alles so wie gewohnt“, rappt Lance Butters im Song „Keller“ und reflektiert sein Soloeinstandswerk, das 2015 kometenhaft auf Platz 2 der Album-Charts schnellte. Gleich im nächsten Satz gibt er das „Mission Statement“ zu seinem neuen, zweiten Soloalbum „Angst“ aus: „…und jetzt sehen sie meinen Keller, er ist kahl und vermodert.“ Der Longplayer, der am 12. Oktober erscheinen wird, ist seit 10.08. vorbestellbar.

Dessen schwere Kost schleicht sich unter die Türen von Jugend- und Wohnzimmern, nimmt deren Räume ein und kriecht in die Poren deren Bewohner. Sogar vor dem Weg ins Schlafzimmer macht dieses beispiellose Werk der Negativität nicht halt. Ganz im Gegenteil, prophezeit Lance Butters schon im zweiten Track „Wufu“: „Wake up Fuck up“. Argumentiert da einer gegen sich selbst? Könnte schon sein.

Aber was wäre Rap ohne mangelnde Ambiguitätstoleranz, ohne die Feststellung, dass alle anderen im Tal der Tränen leben und nur der ausführende Sprechgesangskünstler weiß, wie tief deren Abgründe wirklich sind? Gibt’s auch in den 14 neuen Songs und heißt „Yeeeaaah“ – ein Abgesang auf Copy Cats, billigen After-Show-Glamour und die lahme deutsche HipHop-Szene.

Aber was wäre die Manifestation der Negation ohne deren Aufhebung? Musikalisch und inhaltlich ist Lance Butter zusammen mit seinem Freund und Producer Ahzumjot die Demaskierung von Girls-, Kush- und Cash-Texten geglückt, ohne dem Künstler die Maske wirklich entrissen zu haben. Denn was wäre einer wie Lance Butter ohne Schutzhaube? Vielleicht ein Verletzlicher, der die „Angst“ hat, die bald zigtausend Rap-Hipster spinnen werden.

2018-08-17T12:31:22+00:00